"Let the net work" (for you) oder "lass das Netz für Dich arbeiten"

... ist die zentrale Idee, die das Internet und Internetriesen so erfolgreich macht. Worum geht es dabei genau, wie kann jeder Einzelne für sich von der Arbeit des Netzes partizipieren?

Wir laden Sie zu einer Zeitreise ein, die viele der heute lebenden Menschen, noch aus eigener Erinnerung kennen. Von dort aus geht es über die Gegenwart, aktuelle Chancen durch das Netz, in die visionäre Zukunft.

"Let the net work" - die Anfänge

In den 1980er Jahren hielten Computer, vom revolutionären C 64 bis zum XT unter MS DOS, Einzug ins "bürgerliche" Leben. Die ersten privaten Computer standen in den Jugendzimmern der Nation. Commodore führte das Marktsegment an, dass heute unter Spielkonsolen zusammengefasst würde. Bill Gates war der Coup geglückt MS DOS auf IBM-Computern und den viel preisgünstigeren "IBM compartiblen PCs" verkaufen zu dürfen.

Es war die Zeit, als das Internet nur aus Mailboxen und vernetzten Uni-Servern bestand. Die Netzgemeinde bestand mehrheitlich aus Studenten, "bleichen" Programmierern und einigen wenigen Visionären. Kaum 30 Jahre ist das her und heute doch gefühlt fast so lange, wie die Zeit Napoleons. Online ging es für den Privatmann mit 300 Baut Modems (300 bit/s) los. Online zu gehen hieß damit in erster Line, auf den Computer zu warten.

Eine teure Wartezeit. Damals wurden Verbindungen noch nach Distanz und Verbindungsdauer des Anrufs abgerechnet. Als US-Robotics (USR) das erste 2400 Baut-Modem (2400 Zeichen pro Sekunde) auf den Markt brachte, glich das einer echten Revolution. Dazu eine Vergleichszahl. Wer heute "VDSL 50" nutzt, empfängt 50.000.000 bit/s. Gleich zwischen damals und heute ist das Klagen über eine zu langsame Leitung.

Echte US-Robotics wurden damals übrigens legal in den USA bestellt (etwa 1000 DM) und illegal hinter die Telefonleitung geklemmt. Die meisten privaten Nutzer fanden dazu schnell günstige Alternativen. Ab etwa 50 DM wurden 2400er "No-Name" Modems gehandelt. Eine Zulassung für den Betrieb an den Leitungen der deutschen Bundespost (noch nicht Telecom) gab es für beide Varianten nicht.

Mailboxen - private Dienstleister der Datenübertragung

Mailboxen als Vorreiter des Internets nahmen zu, als das 14.400 USR auf dem Markt war. Der hohe Einstiegspreis, wieder knapp um 1000 DM, rechnete sich für Mailboxbetreiber. Durch die schnellere Datenübertragung sparten sie das Geld bei den Telefonkosten der Datenübertragung von Box zu Box wieder ein. "Let the net work" startete als reines Netz des Informationsaustausches.

Mailboxbetreiber schlossen sich einem Netzverbund - beispielsweise dem Z-Netz (Zerberus-Netz) aus Deutschland oder dem FidoNet aus den USA an. Täglich riefen sich die Computer, meist mitten in der Nacht, untereinander an und tauschten Daten aus. Anschließend ging die Mailbox, in der Regel für etwa eine Stunde, offline. Sie sortierte die neuen Daten ein und löschte die alten Datenpuffer. Speicherplatz, bei einer Kapazität von 100 MB auf der Festplatte, war wertvoll.

Insgesamt war das System der Mailboxen so leistungsfähig, dass ein elektronischer Brief weltweit, innerhalb von 24 Stunden sein Ziel erreichte. Die Datenübertragung funktionierte, obwohl daran keiner Geld verdiente, fast immer zuverlässig. Im Vergleich zur Briefpost brachte die elektronische Post eine Zeitersparnis von mehreren Wochen. Dauerhaft bestandsfähig war diese Form des Internets nicht. Der Schritt zur Gegenwart gelang erst durch die Vernetzung der Universitäten.

Uniserver - kostenlos mit der Welt verbunden

Das Zeitalter der Mailboxen war aus zwei Gründen nach kurzer Zeit vorbei. Zum einen wurden nur reine Textnachrichten transportiert. Die "schwarze Software" gab es nur in unvernetzten, besonders geschützten Bereichen der privaten Mailboxen. - Doch gerade die neueste Software zu entdecken, war der Grund, warum sich viele User für Mailboxen interessierten. Für den Download großer Datenmengen reichte die Leitungskapazität nicht. (500 MB neue Software pro Woche war ein guter Wert für eine Mailbox).

Transportiert wurde die "Schwarze Ware" über die Standleitungen der Universitäten. Das Usenet, bis heute neben dem Internet aktiv, war Mitte der 80er zentraler Umschlagplatz für neueste Spiele und andere Programme. Auf die Mailboxen gelangte die Software von Hand. Wechselplatten wurden ständig von Sysop zu Sysop durchgereicht. Da aber keine Mailbox real mit seinem Angebot Gewinn erzielte, gingen viele Boxen "pleite".

User meldeten sich, dank sinkender Verbindungskosten und ISDN, direkt bei den Universitäten als Nutzer an. In zeitlich kurzem Abstand dazu übernahmen große Provider, wie beispielsweise AOL den Markt. Ihnen standen unendliche Ressourcen zur Verfügung. Modernes Internet, so wie es heute noch in Grundzügen existiert, war geboren. Die Idee hinter "Let the net work", weltweite Dienstleistungsangebote und schneller Informationsaustausch nahm Fahrt auf.

AOL, Yahoo & Co. - Wegbereiter

AOL ähnelte bei Gründung einer Mailbox für Nutzer des C 64. Gründungssinn war es, einen professionellen grafischen Onlinedienst zu schaffen. CompuServe, damals Marktführer, sprach die Massen nicht mehr an. Es fehlte an der grafischen Oberfläche. Ein weiterer Aspekt des späteren Erfolges im World Wide Web war der gekonnten Mischung zwischen Exklusivität und persönlicher Nutzeransprache zu verdanken.

Der Satz "Sie haben eine Nachricht" statt eines schweigenden Computers sprach Menschen persönlich an. Damals bedeutete es noch, dass wirklich etwas Interessantes im Postfach wartet und nicht "zielgruppenorientierter" Spam. Die Software von AOL ermögliche selbst Erstbenutzern den einfachen Zugang zum Internet. Seinen Höhepunkt erreichte AOL kurz nach der Jahrtausendwende mit mehr als 30 Millionen Nutzern.

Bei den Suchmaschinen, die anschließend begannen den Internetmarkt zu dominieren, fällt Yahoo eine besondere Rolle zu. Für Yahoo begann die Vision "Let the net work" als Navigationshilfe und Webkatalog. Für Nutzer war es damals nicht selbstverständlich, dass Suchmaschinen genau wissen, was der Nutzer gern auf dem Bildschirm finden möchte. Aussagefähige Domainnamen waren damals noch pures Gold wert.

Viele User probierten in der Kommandozeile, durch das Schlagwort als Domainname, zum gewünschten Suchergebnis zu gelangen. Yahoo-User genossen, gegenüber anderen Zugängen zum Internet, verschiedene Vorteile. Finanziert wurde der Zugang durch Werbung. Damit waren die E-Mail-Adresse und die Nutzung des Internets kostenlos. Die Suche nach Angeboten war einfacherer als beim Wettbewerb. Lediglich die Leitungsgebühren waren an die jeweilige Telefongesellschaft zu zahlen.

Google - von der Suchmaschine zum Multidienstleister

Zu den Visionären, die die Macht der Suchmaschinen rechtzeitig erkannten, zählten die Studenten Larry Page und Sergey Brin. Sie entwickelten BackRub an der Stanford University. Das viele den Namen nicht kennen liegt daran, dass die heutige Bezeichnung Google lautet. Erfolgreich wurde Google, weil der Konzern, anders als andere Gründerväter des Internets, immer innovativ blieb. Der kurze Name ließ sich schon einmal schneller tippen, als die Namen anderer Suchmaschinen.

Obendrein war er einprägsam und die Suche kostenlos. Ein weiterer Meilenstein des weltweiten Erfolges war, zumindest anfänglich, der fehlende Einfluss des Geldes auf das Suchergebnis. Während Nutzer anderen Suchmaschinen nicht bedingungslos vertrauten, schien das Google-Ranking tatsächlich immer qualitativ bessere Ergebnisse zu liefern. Nicht wer das meiste Geld an Google zahlt, der ist oben im Ranking, sondern das wahrscheinlich treffendste Suchergebnis.

Finanziert wurde das Ganze zwar durch Werbung, doch die ist von je her immer sofort erkennbar. Ein ganz großer Coup gelang Google der Gründerjahre durch den Ideenkauf "Youtube". Youtube war und ist gerade bei der jungen Generation beliebt. Damals nahezu wettbewerbslos konnten Videos und mp3 kostenlos angesehen bzw. angehört werden. Da die ersten Handys Musik speichern konnten, wurde Musik von Youtube (nicht ganz legal heruntergeladen) auf den Handys gespeichert.

Der eigene Shop im Internet - Realwelt verändert sich

Vom Tummelplatz der "Freaks" wandelte sich das Internet immer mehr zum virtuellen Marktplatz. Jeder konnte zum erfolgreichen Geschäftsmann/frau werden. Etwas HTML und PHP reichten, um selbst schnell einen Shop aus dem Boden zu stampfen. Die Goldgräberzeit des Internets war angebrochen. Wer selbst nicht programmieren konnte, kein Geld für Werbung ausgeben mochte oder konnte, schloss sich den "Großen" an.

EBay war eine der spektakulärsten Geschäftsideen der damaligen Zeit. Innerhalb von wenigen Monaten nach Eröffnung einer länderspezifischen EBay-Webseite hatte jeder mit Internet auch einen EBay-Account. Der wertlose Krempel, der in der Anfangszeit versteigert wurde, entwickelte sich für viele Verkäufer zum dauerhaften Broterwerb. Innerhalb weniger als einer Dekade wurden EBay, Amazon und Co. zur spürbaren (terminalen?) Konkurrenz der Warenhäuser.

Online war der Einkauf billiger, bequemer und vor allem entspannter. Statt sich, immer die Ladenöffnungszeit nach Feierabend im Nacken, durchs Kaufhaus zu quälen, wurde shoppen rund um die Uhr zum Zeitgeist. Längst ist der Geschäftserfolg vieler moderner Unternehmen fest mit dem Internet verbunden. Ohne Online - Marketing geht geschäftlich fast nichts mehr. Allerdings sind heute nicht mehr ortsgebundene Workstations die hauptsächlichen Anknüpfungspunkte.

Das Internet wird mobil - "Let the net work"

Die größte Herausforderung der jüngsten Vergangenheit, bis hin zur Gegenwart, ist das veränderte Nutzungsverhalten. Etwa 54 Prozent aller Nutzer gehen täglich mobil online. Die Zahl der Zugriffe von mobilen Endgeräten steigt kontinuierlich an. Der Ausbau mobiler Netze sowie die Anpassung der Seiten an mobile Endgeräte stehen auf der Agenda aller Internetangebote ganz oben.

Kein Anbieter kann es sich leisten, die Hälfte seiner potenziellen Besucher durch lange Ladezeiten und unvorteilhaftes Seitendesign auszusperren. Es geht um einen gigantischen Markt. In Deutschland wurden im letzten Jahr knapp 8 Milliarden Umsatz allein durch mobile Daten erzielt. Erwartete Steigerungsraten liegen im jährlichen Umfang von etwa 10 Prozent.

Google hat bereits 2015 auf das veränderte Nutzerverhalten reagiert. Die Suchergebnisse zeigen vorrangig nur noch Seiten an, die sowohl mobil als auch vom klassischen Desktop optimal dargestellt werden. Zahlreich "Platzhirsche" der Suchergebnisse verschliefen die Entwicklung und fanden sich anschließend im Nirwana der hintersten Seiten wieder.

Internet der Zukunft - Vernetzung aller Lebensbereiche

Google zählt wieder zu den Visionären der Internetzukunft. Der Begriff Vernetzung wird in der überschaubaren Zukunft ganz neu definiert werden. Vernetzt werden nicht nur menschliche Kontakte, wie Facebook als größtes soziales Netzwerk beeindruckend vorlebt. Vernetzt werden in der Zukunft Dinge. Dabei geht die Vision für "Let the net work" der Zukunft weit über die intelligente Steckdose hinaus.

Nicht nur an und aus per Handy und von jedem beliebigen Ort der Welt wird Realität sein. Auch die Geräte selbst entwickeln sich immer weiter und werden zum Teil eines gigantischen Netzwerkes. Heute schon real ist die Kaffeemaschine, die selbstständig online ihren Kaffee nachbestellt. Ganz nebenbei bereitet sie jedem Bediener seinen individuellen Lieblingskaffee nach eigenem Rezept.

Vision Zukunft im Netz der Dinge

Gedacht ist an ein "fast organisch denkendes" und autark handelndes Haus. Der Kühlschrank wird nicht nur zum Energiesparer. Er wird anhand der Etiketten erkennen, welche Nahrungsmittel schnell verbraucht werden müssen. Außerdem wird er seine Erkenntnisse anderen Geräten und dem Netz zur Verfügung stellen. Roboter werden den Teil der Arbeit übernehmen, die tatsächlich als "Handarbeit" verbleiben.

Der vernetzte Staubsauger wird, innerhalb der Zeiten der Hausordnung, bevorzugt in Abwesenheit der Bewohner, das Haus reinigen. Der Herd wird mittels Robotarm selbstständig nach genauem Rezept kochen können. Er wird sich seine Rezepte eigenständig oder auf "Befehl" aus dem Internet holen. Er wird die Zutaten, in Absprache mit dem Vorratsmanagement, automatisch bestellen. Der Lieferservice erfolgt per Drohne, die Bezahlung automatisch durch Kreditkarte oder Abbuchung.

Viele Menschen der Gegenwart halten die Vision "Let the net work" noch für ferne Zukunftsmusik. Aber, die Meisten davon werden die Realisierung noch zu eigenen Lebzeiten sehen. Alle genannten Möglichkeiten sind heute schon so real, wie das selbstfahrende Auto. Gleichzeitig wird die Entwicklung ganz massive Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben.

"Let the net work" - Arbeitswelt der Zukunft

Die Arbeitswelt der Zukunft wird sich durch "Let the net work" (for you) dramatisch verändern. Noch vor dem endgültigen Einzug der vernetzten Welt der Dinge im privaten Haushalt wird das vollautomatische Unternehmen der Standard. Industrie 4.0 ist erst der Auftakt. Roboter, intelligente lernfähige Maschinen sowie intelligente Software werden alle Bereiche des Arbeitslebens verändern.

Nicht nur die menschenleere industrielle Fabrikation wird die Realität sein. Sondern ebenso die Zeitung ohne Redakteure und die Krankenpflege ohne menschlichen Pfleger. Jobs, die nur durch den Menschen aufgefüllt werden können, sind ein Auslaufmodell. Jeder Beruf, ob Dienstleistung oder Produktion, wird sich ändern. Damit stehen wir als Menschheit insgesamt vor gigantischen Herausforderungen.

Angstszenarien drohen zur Realität zu werden. Der Kampf um Arbeitsplätze wird sich nicht auf Lohngerechtigkeit für geleistete Arbeit beschränken. Es wird einen Wettbewerb der Besten um die wenigen verblieben Jobs, natürlich mit bester Bezahlung, geben. Für das Gros der Menschheit wird es ums Ganze gehen. Sich von seiner "Hände Arbeit" selbst ernähren zu können, wird immer schwieriger werden.

Ein weiteres Risiko wird die zunehmende "Verdummung der Massen" sein. Handwerkliches Wissen wird schon in wenigen Generationen den selbstlernenden Programmen vorbehalten sein. Zieht einer tatsächlich den Stecker, sei es ein Virus oder ein zusammengebrochenes Energienetz, wird keiner mehr wissen, wie "es" genau geht. "Let the net work" ist trotzdem keine Horrorvision made in Hollywood, wenn die politische Weichenstellung global richtig erfolgt.

Automation kann die Freiräume für eine ganz neue Sozialgemeinschaft schaffen, wenn jeder leistungsfrei am Fortschritt partizipieren darf. Soziale Probleme, Gleichberechtigung, Rollenverteilung und vieles mehr könnten sich von selbst lösen. Auf den kleinsten Nenner heruntergebrochen, wer macht den Haushalt und wer Karriere macht ist keine Frage, wenn Roboter den Haushalt übernehmen.

Die Menschheit hat die Chance, ein Paradies für alle zu schaffen, wenn entstehender Wohlstand, nur fair verteilt würde. Ganz neue politische Ansätze müssten die Folge sein, um heute die Weichen richtig zu stellen.